Das Frederiksborger Pferd

  

Das Danebrog hest von 1450 hat große Ähnlichkeit mit dem (heutigen!) Frederiksborger: Fuchsfarben mit B lesse und weißen Fesseln

Mittelalter

 

Schon vom frühen Mittelalter gibt es Quellenaufzeichnungen über Zucht, Haltung und Export von Pferden aus Dänemark. Abt Wilhelm von AEbleholt erhielt z.B. einen Dankesbrief vom Abt Stephan in Paris, weil er ihm ein „prachtvolles Pferd“ geschenkt hatte. Eine andere Quelle aus der Zeit um 1200 belegt, dass allein von der Hafenstadt Ribe aus 8000 Pferde exportiert wurden. Der Chronist Arnold von Lübeck bemerkt passenderweise, dass Dänemarks eigentliche Reichtumsquelle die Pferdezucht sei. Während des gesamten Mittelalters waren Pferde für den Transport, als Arbeitsgerät und für den Krieg unverzichtbare Gebrauchsgüter. Der Bedarf und Verbrauch von Pferden war enorm. In einem Bericht von 1311 wird erwähnt, dass König Erik Menved bei einem Fürstenfest in Rostock mehr als 80 Männern „einen Passgänger für jeden“ mit Zubehör und Bekleidung vermacht hatte, bevor diese zum Ritter geschlagen wurden. Nicht umsonst war der Ritter auf dem Pferd die Ikone des Mittelalters.

Konzentration in Nordseeland

 

 Fauerholm heute

Die Pferdezucht im Mittelalter hat in Dänemark auf im Lande verstreuten königlichen Gütern, Adelssitzen und Klöstern stattgefunden. Der König nahm seine administrativen Pflichten hinsichtlich der Pferdezucht wahr, indem er auf Rundreisen die Gestüte besuchte. Mit der Reformation übernahm die Krone 1536 das Kirchenland der Klöster und wurde durch Tausch mit Ländereien Adeliger zum größten Großgrundbesitzer in Nordseeland. Während der Zeit Christian des III. wurden friesische Pferde für die „Gestütsvange“ beim See Esrum eingekauft. Sein Sohn Frederik II. interessierte sich ebenfalls für die Pferdezucht und importierte andere Rassen. Im Jahre 1560 verließen die letzten Mönche das Kloster Esrum und der König veranlasste im selben Jahr, dass alle Pferde nach Esrum gebracht werden sollten. Im Jahre 1562 entstand im ehemaligen Kloster Esrum das erste Gestüt. Weitere Gestütsteile, wie z.B. Fauerholm, wurden in nächster Zeit eingerichtet.Der folgende königliche Befehl stammt vom 5. April 1584: „Der König hat veranlasst, dass nur Fohlen von Fauerholm geholt werden dürfen; das graue, türkische Pferd, das der König vom polnischen Regenten bekommen hat, soll in die jüngste Gruppe von Fauerholm.“ Das Anwesen Fauerholm hatte Frederik II. mit dem Adeligen Peder Oxe getauscht, der stattdessen das Gut Tollöse in Mittelseeland erhielt.

Pferde der Renaissance

 

Esrum unten links/Schloss Frederiksborg in der Mitte

Aus einem Brief vom nächsten Tag geht hervor, dass es neben Fauerholm ebenfalls Gestüte in Esrum und Hörsholm gab und dass dort unter anderem rumpfige, kräftige Pferde, den friesischen Pferden ähnlich, gesammelt seien. Diese wurden hauptsächlich als Fahrpferde benutzt. Offensichtlich war der König auch im Besitz von türkischen (arabischen) und ungarischen Pferden und importierte zusätzlich Pferde aus Italien und Spanien, um die Zucht zu entwickeln. Die Zeit der Renaissance stellte sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich neue Anforderungen an das Aussehen und die Anwendung der Pferde. Als Machtsymbol wurden Pferde nun vermehrt in repräsentativen Zusammenhängen angewendet. Schon in der Regierungszeit Frederik des II. war das „Dänische Pferd“ überall in Europa bekannt. Der erzkatholische spanische Regent Philip II. bestellte im Jahre 1583 sechzig Stuten für seine Zucht und der französische König forderte die gleiche Anzahl. Man muss sich den Prototypen dieser Zeit als ein robustes, vielseitiges Pferd vorstellen, das sich sowohl zum Reit- als Auch Fahrpferd eignete.

Die Zeit Christian des IV.

 

Christian der IV. auf einem "Dänischen Ross"

Christian IV. ließ Schloss Frederiksborg weiter zum Renaissanceschloss umbauen und 1599 wurde dem Lustschloss „Sparepenge“ ein Stall für 300 Pferde zugefügt. Man führte das Brennen der Pferde ein und 1610 wurde Esrum, das hauptsächlich Weidewirtschaft betrieb, der Hauptsitz des Gestütes. Ein ähnliches Projekt war für das Kloster Börringe in Skone vorgesehen. Im Zusammenhang mit dieser Umlegung wurden einige Dörfer entlang des Esrum Sees umgesiedelt und das Land wurde den Gestütsvangen (Koppeln) zugegeben, die man mit Gräben und Mauern umgrenzte. Außerdem befanden sich zwei Herden direkt beim Schloss Frederiksborg, wo auch das Zureiten der Pferde vor sich ging. Das „Dänische Ross“ wurde 1610 als eine der sechs edelsten europäischen Pferderassen beschrieben. Es war ein barocker Typ mit bedeutender Tiefe, wie die Reitportraits der Zeit zeigen.

Die Bedeutung des Krieges

Die Schwedenkriege mit der Besetzung und den Plünderungen von 1657 -1660 wirkten sich negativ auf die Gestüte aus. Einen Teil der Pferde nahmen die Schweden als Kriegsbeute mit, andere liefen verwildert in den Wäldern herum und es war schwierig, einen Überblick über die Situation zu bekommen. Es heißt hierüber in einem Schreiben von 1661: „Draußen im Kronenborg Lehen gibt es keine Hofstelle mehr außer Esrum, wo sich ja das königliche Gestüt befindet.“

 

 Christian der IV. während der Kriegshandlungen auf einem "gelben" Frederiksborger Pferd/ Schloss Kronborg im Hintergrund

Absolutismus und Barockpferde

Christian V. (1670-1699) hatte bereits als Kronprinz den Hof Ludvig des XIV. besucht und die Pracht des Absolutismus aus nächster Nähe kennengelernt. Schon im Jahre 1670 führte er die Jagdmode der Zeit, die Parforcejagd, bei Hofe ein und holte sich dazu englische Ratgeber und englische Jagdpferde. Im Laufe der nächstenr Jahrzehnte erholte sich das Gestüt offensichtlich. Darauf weist z.B. die Mitgift hin, die König Christian V. seiner großen Schwester , Ulrikke Elenora, mitgab, als diese nach Ende des Schwedenkrieges 1679 mit dem Schwedischen König Carl dem XI. verheiratet wurde: nicht weniger als 7 Gespanne mit jeweils 6-7 Pferden in gleicher, außergewöhnlicher Farbe dienten als Brautgabe.

 

Parforcejagd

 

Ein Wettrennen

 

Der siegreiche "Coureur"

Es gab eine berühmte Wette über die Qualität der Dänischen Pferde zwischen dem Englischen Gesandten Robert Molesworth und dem Oberstallmeister des Königs, Anton Wolff Baron von Haxthausen. Die beiden wetteten die nicht ganz unbeträchtliche Summe von 1000 Holländischen Dukaten darauf, ob eines der Pferde des Gestütes die Distanz von Nörreport in Kopenhagen zum Stadttor in Hilleröd, also insgesamt 35 Kilometer, unter der Zeit von 45 Minuten laufen könne. Molesworth wurde gestattet, frei zwischen fünf Pferden aus dem königlichen Stall zu wählen und er suchte sich einen kleinen Tigerschecken aus. Dieser gewann den vierzehn Tage später durchgeführten Ritt in 42 Minuten, also 2 Minuten unter der vereinbarten Höchstzeit. Es handelte sich bei diesem Pferd um den Hengst Coureur, ein Pferd für Parforcejagten. Dieses Pferd wurde ausgestopft und befindet sich heute im Reitbahnmuseum auf Schloss Christiansborg.

Reitvorführungen

Pferderennen waren Ende des 17. Jahrhunderts eine eher ungewöhnliche Erscheinung. Das öffentliche Auftreten der Pferde war auf repräsentative Zusammenhänge begrenzt (z.B. Hochzeiten und Begräbnisse). Außerdem veranstaltete der Hof für seine Gäste Auftritte der Pferde in der Reithalle des Schlosses Christiansborg. Die Freiluftreitbahn im Schlosshof konnte natürlich auch genutzt werden und es gab noch viele andere Areale in Kopenhagen, wo man die Pferde präsentieren konnte. Dem Vernehmen nach bevorzugte Christian V. ein Areal im Garten von Schloss Rosenborg als Reitbahn, und „Kongens Bytorv“, wo heute seine Reiterstatue steht, war ursprünglich als Reitbahn geplant. Bei großen Hoffesten trat der König selbst gegen andere Reiter zum Turnier im Ringreiten oder in fingierten Gefechten an. Der Gewinner erhielt kostbare Prämien. Eine Augenzeugenquelle berichtet ausführlich über solch ein Ereignis bei den Festlichkeiten zur bevorstehenden Hochzeit Ulrikke Eleonoras am 11. April im Jahre 1680: Nach dem Ringreiten und dem Pferdeballett kamen zum Schluss Kämpfe mit Bären, Hunden und Stieren.

 

"Caroussel"

 

Die Hohe Schule

Christian V. war selber ein vortrefflicher Reiter, der, wie gesagt wurde, sechs Pferde an einem Vormittag müde reiten konnte. Dabei handelte es sich um das tägliche Training in der Dressur nach den Prinzipien der Hohen Schule. Die Lektionen und Schulsprünge sind ausführlich auf einigen Gemälden aus den 1690er Jahren dargestellt. Diese Werke eines unbekannten Künstlers hängen heute noch im Schloss Rosenborg. Auf jenen Bilden kann man die verschiedenen Lektionen, Volten und Sprünge, die eigentlich aus der Kriegskunst stammen, bewundern. Die Hälfte der vierundzwanzig Gemälde schildert diese Dressurübungen, die andere Hälfte zeigt die so genannten „Reit -Karussells“ mit Ringreiten und anderen Vergnügungen. Die abgebildeten Pferde haben, ähnlich wie der heutige Lipizzaner, die typischen Kennzeichen eines Barockpferdes: die Ramsnase, ein mächtigen, hoch angesetzten Hals und einen tragfähigen Rücken mit muskulöser Kruppe. Die Pferdedarstellungen sind zwar nach der Mode der Zeit im manierierten Stil gehalten, zeigen aber dennoch die typischen Merkmale der Frederiksborger Rasse.

 

Reitunterricht, im Hintergrund Reiter beim Ringreiten

 

Reinzucht

Im Jahr 1690 wurde eine neue Gestütsordnung erlassen, in der neue Prinzipien für die so genannte Reinzucht nach Farben festgesetzt wurden. Man ordnete die Pferde in farblich gleichen Gruppen (rote, weiße usw.), so dass der König über mannigfaltige Gespanne für seine Staatskarossen verfügen konnte. Die Reinzucht nach Farbe unterlag dem Wandel in der Mode der letzten Jahrzehnte und entsprach den Idealen des Rokoko. Sie galt als richtungsweisend für das Zuchtgeschehen 18. Jahrhundert. Um die Bestrebungen der Reinzucht voranzutreiben, wurde eine große Anzahl Spanischer Hengste eingekauft und mit zunächst mit guten Resultaten in der Zucht eingesetzt.

 

Weiße Gruppe (Bella und Hertha)

Ritterlehen

Um 1700 wurde die so genannte Ritterlehenverordnung eingeführt. Jeder Kavallerist erhielt eine kleine Hofstelle sowie ein Pferd und musste für den Kriegfall bereit stehen. Die Landgüter der Krone wurden zu diesem Zwecke aufgeteilt und das königliche Gestüt lieferte die Pferde. Im Jahre 1717 wurde ein großer Teil des Bodens von Esrum Kloster in Lehen aufgeteilt. Im selben Jahr zog das königliche Gestüt zum Schloss Frederiksborg. Im Jahre 1720 wurde der Hof „Lille Ladegaard“ (Hillerödsholm) in der nähe des Schlosses zum neuen Gestütszentrum ausgebaut. Eine Karte um 1720 gibt einen Überblick über die Gestütsteile und die Ritterlehen. Sie zeigt ein großes Areal mit dem Zentrum beim Grib -Wald und beim See Esrum. Die Koppeln waren über ganz Nordseeland verteilt, von Eggebaek im Osten bis Pandehave im Norden. Viele Namen in Nordeseeland , wie zum Beispiel „Hestehave“ („Pferdegarten“) bei Hilleröd und eine Reihe von Orten mit der Wortendung „ – vang“ verweisen auf die Gestütsaktivitäten.

 

Lille Ladegaard (oder "Hillerödsholm")

Höhepunkt des Gestüts

Der erste Teil des 18. Jahrhunderts wird als der Höhepunkt des Gestüts angesehen. Es bestand in dieser Zeit aus der größten Landfläche des Staates (mit dazugehörigen Hofstellen bis zu 11.300 Hektar), hatte 100 angestellte Arbeiter und beherbergte bis zu 1600 Pferde. Dieser bombastische Höhepunkt des Gestüts bedeutete mittelfristig auch sein Ende. Das Prinzip der Reinzucht nach Farben barg das große Risiko der Inzucht. Dieses Problem wurde immer dringlicher. Außerdem war der Verbrauch an Pferden enorm, weil die außergewöhnlich prächtigen Pferde mit ihren ungewöhnlichen Farben als Prestigeobjekte der Königsmacht vorzugsweise an andere Könige verschenkt wurden. Als König Frederik IV. (1699-1730) sich auf Europareise begab, verschenkte er z.B. unterwegs zwei seltene, weiße Hengstgespanne aus dem Krogdalgestüt. In den Jahren wurden ungefähr 150 wertvolle Zuchtpferde verschenkt, was dazu führte, dass man neue, andere Pferde hinzukaufen musste. Beim Begräbnis Frederik des IV. im Jahre 1730 benutzte man für den Leichenzug von Kopenhagen nach Roskilde nicht weniger als 120 schwarze Pferde.

Fortsetzung der Erweiterung

Bis ungefähr 1740 wurden die Pferde im Winter auf die königlichen Güter verteilt. Ab 1742 jedoch baute der Architekt Laurits von Thurah im Auftrag des Königs einen großen Gestütskomplex, der 1746 fertiggestellt wurde und den Namen „Frederiksborg Ladegaard“ erhielt. Ungefähr in der gleichen Zeit begann der Bildhauer Saly seine berühmte Reiterstatue, die nicht nur als eines der besten Reiterdenkmäler in der Kunst gilt, sondern auch zum Symbol des Frederiksborger Pferdes wurde. Es dauerte 22 Jahre, bis Saly das Denkmal fertig gestellt hatte. Die Asien Handelskompanie, Auftraggeber des Geschenks an den König, ruinierte sich benahe durch dieses Projekt. Eine Karte von 1765 zeigt die Ausweitung des Gestüts im Amt Frederiksborg. Hier sieht man das Zentralgestüt und dessen Umgebung (Westufer See Esrum, Umgebung Schloss Frederiksborg, und der „Den großen Tiergarten“). Aus dieser Zeit stammt auch ein Bericht über den Zustand der einzelnen Vange (Koppeln) und ihre Nutzung.

 

 Gestütsgebiet um Esrum Kloster und Frederiksborg Slot

 

Neue Töne

In den folgenden Jahren geriet das Gestüt in eine Krise, unter anderem wegen der Inzucht. Außerdem begann man unter Struensees Regime (1771 bis 1773) mit der Verkleinerung des Betriebes. Die aus England stammende Königin Caroline Mathilde, Ehefrau von Christian VII., war wohl die letzte Königin, die Pferde für den persönlichen Gebrauch in großem Stil hielt, nämlich zwei Reitpferde und 31 Fahrpferde. Die Aufklärung und ihre Philosophie wirkten sich auch auf die Ökonomie des Gestütswesens aus. Um beim Unterhalt des Gestütes zu sparen, beschloss man, die meisten der Pferde des Frederiksborger Gestütes zu versteigern. Der Ausverkauf geschah im Rahmen einer Auktion auf Schloss Christiansborg und zog Pferdespezialisten aus ganz Europa an. Der verkaufte weiße Hengst „Pluto“ wurde einer der Stammväter der berühmten Lipizzaner, eine Stute die Stammmutter der russischen Orlow-Traber. Der Verkauf konnte den Niedergang des Gestüts nicht stoppen. Man versuchte ab 1776 die verbliebenen Pferde aus den einzelnen Gestütsteilen miteinander zu kreuzen und erhielt einige positive Resultate, wohingegen das Experiment der Auswilderung einer Herde im „Fanestoddet“ fehlschug. Im Jahre 1790 wurde das königliche Gestüt dem Landesgestütswesen unterstellt und sollte, zum Nutzen der Allgemeinheit, die Pferdezucht der Bauernpferde verbessern.

 

Caroline Mathilde, die Ehefrau Christian des VII. und Geliebte Struensees, ritt nicht, wie üblich, im Damensattel, sondern im Herrensitz, was zu jener Zeit als äußerst anstößig galt.

 

Die große Reduktion

Als Nationalsymbol widerstand das Frederiksborger Pferd bisher allen Krisen. Erst im Jahre 1799 wurde der Gestütsbetrieb ernsthaft eingeschränkt. Die so genannte große Reduktion findet 1799 statt: 1170 Hektar Land wurden dem kleinen, neu entstandenen Gestütshof „Fauerholm“ zugesprochen und die fünf ehemaligen Gestütsvange rund um den See Esrum wurden der Waldbehörde unterstellt. Die Wald- und Landreform am Ende des 18. Jahrhunderts machte die weitere Betreibung des Gestüts unmöglich. Das ehemalige Gestütsland wurde zu Ackerland und für die Ansiedlung von Bauern in kleinere Parzellen zerstückelt. De facto endete der Gestütsbetrieb aber erst im Jahre 1840, als offiziell die Pflicht der Bauern abgeschafft wurde, dem Gestüt Futter zu stellen und für den Betrieb zu arbeiten.

 

"Hother" aus dem Gestüt der Weißgeborenen (eines der letzten Frederiksborger Pferde am Hofe zum Gebrauch im Gespann)

Text (Übersetzung: Inka Bennemann) und Bilder von www.oresundstid.dk/ freundlich zur Verfügung gestellt von Anne Fjelbro Petersen